Ein kleines Update: Die aktuelle Corona Situation in Uganda

Schon seit über zwei Monaten bin ich nun wieder in Deutschland und konnte mich mittlerweile auch schon ganz gut hier einleben, zumindest soweit, wie das in der momentanen Situation möglich ist. Trotzdem denke ich noch viel an Uganda und glücklicherweise kann ich über die sozialen Netzwerke mit meinen Freund*innen in Kontakt bleiben, zumindest mit jenen, die Zugang zum Internet haben.

Die aktuelle Situation in Uganda

Das Corona Virus macht vor keinen Ländergrenzen halt und deshalb möchte ich Euch ein kurzes Update über die aktuelle Situation in Uganda geben.

Was die Fallzahlen angeht, sieht es in Uganda momentan noch relativ entspannt aus, auch wenn die Zahlen nun langsam auch dort steigen. Der aktuelle Stand (29. Mai) liegt bei gut 400 Infizierten, von denen 72 bereits genesen sind. Bisher gibt es keine bestätigten Covid-19 Todesfälle in Uganda. Natürlich muss man bei den Zahlen auch die Testkapazitäten in Uganda betrachten, die geringer als in Deutschland sind. Allerdings holt auch hier das Land auf und es werden täglich weit mehr Ugander*innen getestet, als es noch zu Beginn der Pandemie der Fall war. Auch wenn die Dunkelziffer der Infizierten vermutlich höher als 400 liegt, blieb der große und verheerende Ausbruch, der von vielen deutschen Medien prophezeit wurde, in Uganda bisher aus. Durch die schnelle und konsequente Abschottung sowie die starken Maßnahmen, die bereits wenige Tage nach der Bekanntgabe des ersten Covid-19 Falls in Uganda in Kraft traten, blieb das Land bisher von einem Ausbruch wie in manchen europäischen/(süd-)amerikanischen Ländern verschont.

In den letzten Tagen wurden viele Maßnahmen gelockert und es sollen bald weitere Lockerungen folgen und leider steigen nun auch die Fallzahlen. Ob eine direkte Verbindung zwischen beiden Sachverhalten vorliegt, kann ich natürlich nicht sagen, aber dennoch beunruhigen mich die steigenden Fallzahlen. Wie bereits eingangs erwähnt, ist die Lage momentan noch relativ entspannt. Allerdings sind allein in den letzten zwei Tagen 69 neue Fälle verzeichnet worden (bezugnehmend auf Daten der WHO), was bei einer aktuellen Gesamtfallzahl von 410 Fällen ein deutlicher Anstieg ist. Die Corona Pandemie ist also noch lange nicht überstanden, doch vor allem die drastischen Maßnahmen zwingen viele Ugander*innen dazu, Abstandsregeln u.a. nicht immer adäquat einzuhalten (dazu später mehr).

Die aktuellen Fallzahlen könnt Ihr auf der Seite der ugandischen Gesundheitsbehörde nachlesen: https://covid19.gou.go.ug/ (Abruf am 30.05.20)

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 in Uganda

Im Detail kann ich hier sicherlich nicht alle Maßnahmen aufzählen, aber ich werde versuchen, Euch die Entwicklungen so gut es geht zu beschreiben.

Die erste Ansprache des ugandischen Präsidenten Musevini zur Corona Pandemie war am 19. März. Bis zu diesem Zeitpunkt war Corona so gut wie gar kein Gesprächsthema. Außer den geänderten Einreisebestimmungen, von denen ich schon in diversen anderen Einträgen berichtete, gab es auch weder Maßnahmen noch Covid-19 Fälle im Land. So warteten wir also alle gespannt auf die Ansprache des Präsidenten. In seiner ersten Ansprache verkündete Musevini eine einmonatige Schließung aller Universitäten und Schulen sowie eine Einschränkung der Reisefreiheit im Land, die allerdings vorerst auf Freiwilligkeit basierte. Zudem wurden Massenversammlungen und Veranstaltungen verboten, was vor allem am Verbot der Gottesdienste für viele spürbar wurde. Auch Nachtclubs und Bars wurden geschlossen, Restaurants, Geschäfte und Märkte durften noch geöffnet sein. Am 22.03 wurde dann der erste Covid-19 Fall im Land bestätigt und von nun an wurden auch die Maßnahmen verstärkt. Das öffentliche Bussystem wurde eingestellt und alle Geschäfte bis auf Lebensmittelläden und Märkte mit Obst/Gemüse mussten schließen. Die Benutzung privater PKW war noch gestattet, allerdings musste je ein Sitzplatz frei sein (auf einer Rückbank mit drei Sitzen, durften also nur zwei Menschen sitzen), gleiches galt in Bussen. Zudem wurden alle Landesgrenzen sowie der Flughafen geschlossen, was viele Ausländer*innen, wie auch mich, betraf. Die Fallzahlen steigen langsam (allerdings keineswegs mit den Entwicklungen in Italien, den USA oder Brasilien zu vergleichen) und so auch die Maßnahmen. Nur wenige Tage nach meiner Ausreise begibt sich das Land in einen kompletten Lockdown. Das öffentliche Bussystem wird eingestellt und sogar private PKW dürfen nicht mehr fahren. Alle Geschäfte, Lokale, Institutionen, Kulturstätten etc. schließen, lediglich Supermärkte dürfen öffnen. Auch die beliebten Motorradtaxis dürfen keine Personen mehr transportieren, lediglich Waren von A nach B fahren. Das Land befindet sich im Stillstand. Anders als für viele von uns hier (allerdings längst nicht alle!) ist dies in Uganda allerdings nicht nur eine psychische Belastung, sondern führt zu einer großen Herausforderung der Versorgung der Bürger*innen. Viele Ugander*innen leben „von der Hand in den Mund“ und haben nun weder Einkommen noch Rücklagen. Das staatliche Versorgungprogramm erreicht längst nicht alle und so wird die Situation für viele Menschen zu einer Krise, die nicht direkt auf der Corona Pandemie basiert, sondern auf Hunger aufgrund der Maßnahmen gegen die Pandemie. Wie auch in anderen afrikanischen Ländern wird über eine Todeswelle nicht aufgrund des Virus, sondern aufgrund der Maßnahmen gegen das Virus gesprochen.

Die aktuellen Regeln und Maßnahmen kurz und knapp (unvollständig):

  • Einstellung des regulären Passagierflugverkehrs am internationalen Flughafen Entebbe am 22. März 2020. Auch die Ein- und Ausreise an den Landgrenzen ist nicht mehr möglich.
  • Der öffentliche Busverkehr ist bis 2. Juni 2020 untersagt
  • Der private Autoverkehr ist seit dem 26. Mai 2020 wieder möglich (höchstens drei Personen pro PKW)
  • Noch bis 2. Juni 2020 gilt eine nächtliche Ausgangssperre in der Zeit von 19.00 – 6.30 Uhr
  • In der Öffentlichkeit besteht Maskenpflicht
  • Ab 06. Juni 2020 erfolgt eine schrittweise Öffnung der Schulen

Berichte zur aktuellen Lage aus Uganda sowie die Situation der UVCO Kinder

Glücklicherweise kann ich noch mit ugandischen Freund*innen und auch meiner Gastfamilie in Kontakt stehen und möchte Euch daher auch kurz ihre persönlichen Eindrücke schildern. Erstmal geht es allen, mit denen ich im Kontakt stehe, den Umständen entsprechend gut und mir wurde von keinen Covid-19 Fällen/„mysteriöse Todesfällen“ mit Corona Symptomen im Umfeld berichtet. Dennoch haben viele ihre Jobs verloren und die Situation ist nicht einfach.

Erst gestern habe ich mit meiner Gastmutter telefoniert und sie zur aktuellen Situation befragt. Sie berichtete, dass es noch verhältnismäßig wenige Fälle gäbe und glücklicherweise bisher keine Todesfälle, doch so langsam würden die Fallzahlen steigen. Ein größeres Problem sei jedoch die fehlende Versorgung vieler Bürger*innen und die zunehmende Armut im Land. Sie sei sehr besorgt um viele Mitmenschen und hätte auch bereits von Todesfällen aufgrund von Mangelversorgung mitbekommen. In den letzten Tagen seien einige Maßnahmen gelockert worden und sie würde mit Sorge eine übermäßige Ausnutzung dessen beobachten. So seien mittlerweile wieder viele Menschen auf den Straßen unterwegs. Viele würden die Abstandsregeln nicht mehr einhalten, oftmals auch gezwungenermaßen. Die Sorge um Todesfälle aufgrund der Covid-19 Gegenmaßnahmen seien aus ihren Augen durchaus berechtigt. Den UVCO Kindern gehe es aber soweit gut und alle seien versorgt. Über all die von Euch getätigten Spenden sei man sehr dankbar und könne mit diesem Geld die Versorgung sicherstellen. Nochmal ein großes Dankeschön an dieser Stelle! Wann die Uplift Schule (das Internat der UVCO Kinder) wieder öffnen könne, sei noch unklar. Die momentanen Lockerungen lassen aber darauf hindeuten, dass es nicht mehr all zu lange dauern könnte (allerdings steigen die Fallzahlen, sicher kann man sich dessen also momentan noch nicht sein).

Heuschrecken und Überschwemmungen

Leider sind die Corona Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen nicht die einzigen Sorgen der Ugander*innen. In verschiedenen Teilen des Landes ist es aufgrund der starken Regenfälle zu Überflutungen gekommen. Viele tausende Menschen sind obdachlos geworden, im Distrikt Kasese musste sogar ein Krankenhaus evakuiert werden, wodurch die medizinische Versorgung vor Ort nicht mehr gewährleistet ist. In Masaka ist es glücklicherweise nicht zu Überschwemmungen gekommen und auch von der Heuschreckenplage ist die Stadt noch weitgehend verschont geblieben. Andernorts macht aber auch diese Plage Probleme, die nun in ihrer zweiten Generation noch größer ist, als die vorherige.

Allgemeines „Fazit

Insgesamt ist die momentane Lage in Uganda relativ ruhig, anders als es viele Medien momentan vermuten lassen. Soweit ich weiß ist auch die Situation in den Nachbarländern ähnlich. Ich hoffe, dass dies so bleibt und es bald einen Impfstoff gegen das Virus gibt, zu dem alle Menschen weltweit Zugang erhalten werden.

Quellen

Um diesen Bericht transparent zu gestalten, möchte ich Euch meine verwendeten Quellen hier auflisten:

https://covid19.gou.go.ug/ (Abruf am 29.05.20)

https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/uganda-node/ugandasicherheit/208752 (Abruf am 29.05.20)

http://www.horizont3000.at/blog/warten-auf-corona-ein-bericht-aus-kampala-uganda/37154 (Abruf am 29.05.20)

https://www.aktion-deutschland-hilft.de/de/hilfseinsaetze/corona-spenden-helfen/uganda-ueberschwemmungen-und-angst-vor-covid-19/ (Abruf am 30.05.20)

Noch eine Artikelempfehlung 🙂

Zudem möchte ich Euch diesen Artikel empfehlen: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/queerspiegel/jagd-auf-homosexuelle-in-uganda-verfolgt-unter-dem-deckmantel-des-covid-19-schutzes/25805456.html (Abruf am 30.05.20)

Ich habe bisher das Thema Homosexualität in Uganda noch nicht angesprochen, bin aber zufällig bei meiner Recherche auf diesen Artikel gestoßen und möchte ihn Euch nicht vorenthalten. Wie Ihr wahrscheinlich schon vermutet, steht es um die Rechte der LGBTQ* Community in Uganda nicht so besonders gut und natürlich hoffe ich, dass sich dies ändert und die queeren Ugander*innen irgendwann unbeschwert und angstfrei in ihrem Land leben können. (Um der eurozentrischen Sicht noch ein wenig entgegenzuwirken: Ja, in Uganda ist die Situation deutlich schlimmer, aber auch Deutschland ist in dieser Hinsicht alles andere als perfekt und es gibt noch viel (intersektionale) Diskriminierung, an der wir arbeiten müssen…)

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