Mein Februar in Uganda – Gedanken zu Armut und Reichtum, Besuch aus Deutschland und vieles mehr…

Eigentlich dachte ich, dass der Februar vom Zeitgefühl her eher ein längerer Monat werden würde.
Es stand keine Reise an, kein besonderer Ausflug und auch kein Konzert, aber wie ich das hier mittlerweile schon gewohnt bin, kommt dann doch immer noch etwas dazu und am Ende vergeht die Zeit, wie auch in diesem Monat, mal wieder wie im Flug.

Was im Februar passiert ist…

Tatsächlich ist vergleichsweise zu den vergangenen Monaten im Februar gar nicht so viel passiert und doch war immer was los.
Eigentlich sollten gleich in der ersten Februarwoche die Outreaches wieder losgehen. In Uganda sehen die Organisationsstrukturen an Schulen aber vor, die Stundenpläne erst zu schreiben, wenn das Schuljahr schon begonnen hat, sodass wir in der ersten Woche fast gar keine Outreaches hatten. In der zweiten Februarwoche sollten diese dann aber beginnen. Zusammen mit meinen Kolleg*innen quetschte ich mich also wieder in das vollgepackte und viel zu kleine Auto und wir fuhren an Schulen in der Umgebung, um vor Ort eine Reihe von Instrumenten, Chor und Musiktheorie zu unterrichten. Es war schön, die Schulen und natürlich vor allem Schüler*innen wiederzusehen, die ich bereits im Oktober und November unterrichtet hatte.

Neben den alten Schulen kamen nach und nach neue hinzu, sodass wir nun wieder einen vollgepackten Stundenplan haben. In diesem Schuljahr werde ich auch noch die Deutschkurse vertretungsweise übernehmen bis im Mai wieder eine Lehrerin anwesend sein wird. Die bisherigen Stunden stellten mich zwar durchaus vor Herausforderungen, da es  sich bei den Kursen nicht nur um Anfänger*innen handelt, aber der Unterricht hat mir auch großen Spaß bereitet. Durch die neuen Deutschstunden hat sich allerdings auch meine Arbeitszeit deutlich verlängert und mit den vielen Outreaches ist es schwierig, einen Stundenplan zu erstellen, der alle Seiten zufrieden stellt. Vielleicht auch durch diese viele Arbeit vergingen die letzten Wochen aber wie im Flug und ich genieße vor allem die Arbeit an den Schulen. Zur Zeit übe ich mit den Grundschulen einen traditionellen Kanon aus dem Kongo ein, zu dem wir auch eine Bodypercussion lernen, was mir großen Spaß bereitet. Die Kinder lieben das Lied. Oft höre ich sie noch weitersingen, wenn ich schon wieder auf dem Weg zum Auto bin. Es ist toll zu sehen, dass die Kinder so viel Spaß am Singen haben und gleichzeitig bin ich immer wieder fasziniert, welch eine schnelle Auffassungsgabe sie haben.
Tatsächlich habe ich in den letzten Wochen gemerkt, wie sehr mir das Unterrichten an Grundschulen gefällt. Als ich herkam dachte ich, dass ich nicht gern mit kleinen Kindern arbeiten würde, doch nun darf ich jeden Tag genau das erleben und es macht mir großen Spaß. Wir unterrichten auch an einer Secondary School und auch der Unterricht dort macht mir großen Spaß! Ich denke, dass für mich beide Schulformen (natürlich immer bezogen auf Uganda) positive und negative Punkte haben, aber ich bin froh, dass ich die Erfahrung machen durfte, mit kleinen Kindern zu arbeiten, um für mich herauszufinden, dass auch das seine Vorzüge hat.

Die Kinder warten schon begierig am Auto auf ihre Instrumente

Armut und Reichtum in Uganda

Ein Thema, worüber ich in diesem Monat öfter nachgedacht habe, ist Armut und Reichtum in Uganda.

Vor allem eine Situation in einer Schule, in der wir unterrichten, hat mich sehr traurig gemacht und ich möchte sie gerne mit Euch teilen.
Die Musikschulkolleg*innen und ich sind wie jeden Donnerstag gegen 11 Uhr zur Rock Primary School gefahren. An dieser Schule unterrichten wir seit diesem Schuljahr ziemliche junge Schüler*innen im Alter von 5 bis 9. Die Schule ist eine neugegründete Privatschule und unsere Musikklasse besteht nur aus 12 Schüler*innen. An den meisten anderen Schulen haben wir um die 200 Kinder, weshalb wir Gruppen je nach Instrumentenwunsch bilden. In dieser neuen Schule unterrichten wir allerdings nacheinander (30 Minuten Theorie, 30 Minuten Chor und 30 Minuten Instrumente), weshalb ich zwischendurch relativ viel Zeit habe. So hat es sich ergeben, dass ich in meiner freien Zeit meist mit einem Mädchen spiele, was in der Schule ist, aber nicht unterrichtet wird.
Sie ist meiner Einschätzung nach etwa 6 oder 7 Jahre alt, so wie die anderen Kinder in der Schule. Während die anderen unterrichtet werden, muss sie aber auf ihren kleinen Bruder aufpassen. Meist sitzt sie in einer Ecke des Klassenzimmers auf dem Boden oder springt irgendwo draußen herum. Ich gehe davon aus, dass sie ein Nachbarskind ist. Ihrer Kleidung und Verpflegung nach zu urteilen, hat ihre Familie wenig Geld und kann sie nicht auf die teure Privatschule schicken. Stattdessen muss sie auf ihren Bruder aufpassen, ihn waschen und füttern.
Als ich das letzte Mal dort war, saßen wir beiden draußen vor der Schule auf einer Treppenstufe. Plötzlich zeigte sie alarmiert auf ihren kleinen Bruder – er hatte sich in die Hose gemacht (hier ist es üblich, dass Babys keine Windel tragen, da diese teuer sind). Ein paar Sekunden später kam zufällig der Schulleiter vorbei, der uns gern beim Musikunterricht zuschaut. Als er das Mädchen, den kleinen und mich sah, wurde er sehr sauer auf Martha (das Mädchen) und schicke sie weg. Später entschuldigte er sich noch bei mir.
Diese Situation hat mich sehr traurig gemacht, denn während die andern Kinder in die Schule gehen, mir uns Musikschullehrer*innen Geige, Cello oder Blockflöte lernen dürfen, schadet Martha wohl dem Image der Schule und soll nicht gesehen werden… Sie wird in ihrer Ecke auf dem Boden gedultet, aber auch nur, wenn sie nicht auffällt, sonst muss sie gehen.

Martha und ich sitzen draußen auf der Treppe

Martha ist wahrscheinlich kein Einzelfall. Allgemein unterrichten wir seit dem neuen Schuljahr in mehreren reichen Privatschulen. Oft fallen mir die Unterschiede gar nicht so auf. Ich folge meinem Alltag und fahre erst zu jener Schule, in der alles sauber ist und die Kinder ordentliche Schuluniformen haben und danach unterrichte ich in einer Schule, in der die Kinder Löcher in ihrer Uniform haben und die Schulgebäude nicht verputzt sind.
Ich kenne die Schulen mittlerweile und denke nicht mehr so viel darüber nach, aber wenn ich dann mal von oben darauf schaue und darüber nachdenke, dann macht mich das alles sehr traurig.
Vor allem eine neue Privatschule, an der wir unterrichten, ist ungefähr der Traum einer Schule. Alles ist sauber und die Gebäude sind modern und kinderfreundlich eingerichtet. Es gibt eine Bibliothek und einen Computerraum, draußen ist eine große Wiese zum Spielen und nachmittags gibt es einen Nachmittagssnack, der aus Früchten oder anderen leckeren Sachen besteht (alle Schulen hier sind Internate). Die Schule wird u.a. von zwei Amerikanern geleitet und dort ist es verboten, die Kinder zu schlagen. Wenn ich mit den Kindern dort einfache Spiele mache, blicken sie diese sofort und man merkt, dass sie auch alternative Unterrichtsmethoden abseits vom reinen Frontalunterricht in riesigen Klassen kennen.
Während dort Kinder unbeschwert zur Schule gehen können, unterrichte ich an anderen Schulen, in denen die Kinder von ihren Lehrern geschlagen werden und morgens, mittags und abends Poscho (Maismehlbrei) mit Bohnen zu essen bekommen. Viele Kinder hier hassen die Schule und haben Angst vor diesem Ort, der so viele Monate ihr zu Hause sind, da sie jederzeit Angst vor Schlägen haben müssen. Es ist hier alltäglich, dass in Schulen geschlagen wird. Immer wieder merke ich, dass an diesen Schulen die Kinder mir nicht sagen, wenn sie etwas nicht verstehen oder sie eine Übung nicht mögen. Denn würden sie dies zu ihren anderen Lehrern sagen, könnte es passieren, dass sie geschlagen würden.
Vor allem in Bezug auf die Gewalt in Schulen beginnt hier ein Umdenken. Viele Schulen verbieten mittlerweile das Schlagen und sicherlich wird es weniger praktiziert, aber es findet immer noch statt.
Wer geschlagen wird, das hängt vor allem vom Geld der Eltern ab, denn eine teure Privatschule können sich nur die wenigsten leisten.

Die schicke neue Privatschule
Ein Klassenzimmer in einer staatlichen Schule

Und sonst so?

Mitte Februar kamen Joseph und Sofia vom Förderverein für Musik und Kultur Uganda e. V. zu Besuch (https://fmk-uganda.de/). Sie wohnten drei Wochen bei uns in Kirowooza. Joseph ist der Gründer der Musikschule und Bruder meiner Gastmutter. Zusammen mit seiner Frau und ihrer kleinen Tochter Benita waren sie mit bei den Outreaches, in der Musikschule und besuchten sonst viele Menschen in Masaka und Umgebung. Es war schön, drei Besucher*innen bei uns zu haben und Annika und ich genossen die abendlichen Gespräche.

Ein Sonntagsausflug zum Lake Nabugabu mit Josefine, Lilien und Annika

Außerdem geht endlich der Bau der neuen Musikschule weiter. Lange stand die Baustelle still, da Spenden für den weiteren Bau fehlten. Nun konnte aber endlich der Bau der Decke angefangen werden, sodass hoffentlich bald das erste Stockwerk fertig ist. Im Sommer soll die neue Musikschule dann sogar schon für den Einzug bereit sein.
Momentan haben wir nur einen Raum für die gesamte Musikschule. Der Raum ist zwar relativ groß, allerdings kann natürlich trotzdem der Trompeten, Geigen oder Gesangsunterricht nicht gleichzeitig in einem Raum stattfinden, sodass oft auf draußen ausgewichen wird.
Einerseits ist dies aber oft keine optimale Lösung für den Instrumentalunterricht, da der Draußenunterricht viel Ablenkungspotenzial bietet und vor allem geht das Ganze natürlich nur, wenn schönes Wetter ist.

Die neue Musikschule soll irgendwann mal mehrere Stockwerke haben und ein Ort für viele unterschiedliche Menschen sein. Es sollen natürlich die Privatschüler*innen kommen und in einzelnen Unterrichtsräumen ihren Instrumentalunterricht erhalten. Zudem wird es einen Tanzsaal für die Kindertanzgruppe geben und einen Chorsaal, um große Chorproben abzuhalten. Außerdem wird es einen Computerraum geben, ein Tonstudio, Sprachenräume, Unterrichtsräume mit je einem Klavier, eine Cafeteria und vieles mehr. Ziel ist es, dass sich viele verschiedene Menschen mit verschiedenen Interessen und Backgrounds in der IMLS aufhalten können und es ein Ort für jedermann, -frau und -kind ist.
Bis das Ziel dieses riesigen Gebäudes verwirklicht ist, wird es wohl noch Jahre dauern, aber in das erste Stockwerk einziehen zu können, scheint wohl gar nicht mehr so fern.
Es ist toll zu sehen, dass der Bau nun endlich weitergeht. Nach der langen Wartezeit, in der der Bau aus Geldmangel nicht weitergeführt werden konnte, geht es nun endlich weiter und es macht sich eine freudige Stimmung im IMLS Team breit 🙂
Wenn Ihr noch mehr über den Bau und das Projekt der neuen Musikschule erfahren wollt oder die Musikschule unterstützen möchtet, dann schaut gern mal auf der Homepage des Fördervereins für Musik und Kultur Uganda e. V. vorbei:
https://fmk-uganda.de/imls-baufortschritt/

Ein Ausblick in den März…

Auf den März freue ich mich schon lange, denn es werden einige coole Dinge passieren.
Zunächst wollen wir nächste Woche nochmal nach Kampala fahren, worauf ich mich schon freue. Dann geht es für Amra (die andere weltwärts Freiwillige) und mich in die Nähe von Kabale, an den Lake Bunyuni. Dort werden wir unser Zwischenseminar haben und viele weitere Freiwillige kennenlernen. Da ich die Vorbereitungsseminare so toll fand, so viel gelernt habe und die Zeit sehr genießen konnte, freue ich mich schon riesig drauf.
Wenige Tage nach dem Seminar kommen dann meine Eltern zu Besuch. Wir werden einige Tage hier in Masaka verbringen und anschließend auch noch ein wenig reisen. Ich freue mich schon sehr, Ihnen alles hier zeigen zu können.

Wie das dann alles so war, erfahrt ihr im nächsten Eintrag.
Bis dahin alles Gute

Grüße aus dem grünen Uganda

Eure Julia

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: