Kigali, Kampala, Nairobi und das Holiday Program an der IMLS – ein ereignisreicher Januar

So viel wie in diesem Januar habe ich hier wahrscheinlich noch nie erlebt. Unter anderem ging es nach Ruanda und Kenia, aber auch Uganda durfte ich weiter erkunden. Aber wie immer alles nach der Reihe.

Eine Reise nach Ruanda, die viel verändert hat

Relativ spontan entschieden Katja (eine Freundin, die ebenfalls Freiwillige in Uganda ist) und ich uns, Anfang Januar für einige Tage nach Kigali zu fahren, die Hauptstadt Ruandas.
Ruanda ist ein Nachbarland, was südlich von Uganda liegt. Die Hauptstadt ist mit dem Bus ca. 6 Stunden von meiner Stadt Masaka entfernt. Um ca. 23 Uhr stieg ich in Masaka in den Nachtbus Richtung Kigali. Die Langstreckenbusse hier sind wie jene, die man auch aus Deutschland kennt, lediglich der Zustand ist nicht immer so, wie man das aus Deutschland kennt. So löste sich beispielsweise das Sitzkissen meines Sitzes bei jeder Bodenwelle, aber da der Sitz neben mir frei war, konnte ich auf diesen ausweichen. Allgemein ist das Nachtbusfahren praktisch, da man Zeit und Geld spart, aber nicht besonders bequem, da es in Uganda sehr viele Bodenwellen gibt. Wenn man vorn im Bus sitzt, ist das kein großes Problem, wir saßen allerdings in der letzten Reihe und sind bei jeder Bodenwelle regelrecht in die Luft geschleudert worden. An Schlafen war eher nicht zu denken. Ziemlich müde, auch weil wir am Vortag (Silvester) ebenfalls so gut wie nicht geschlafen haben, kamen wir am frühen Morgen am Busbahnhof in Kigali an.
Schon die ersten verschlafenen Eindrücke dieser Stadt waren ganz anders, als wir Städte in Uganda bisher kennengelernt haben. Es fühlte sich schon fast nach einer europäischen Stadt an und dieser Eindruck verfestigte sich mit jedem Tag, den wir in Kigali verbrachten. Insgesamt haben wir die Stadt als extrem sauber empfunden. Überall sieht man Angestellte, die die Straßen fegen, es gibt Mülleimer und im Supermarkt werden die Einkäufe in Papiertüten eingepackt, statt in die für Uganda so typischen schwarzen Plastiktüten. In Ruanda gibt es nämlich schon seit einigen Jahren ein Verbot von Plastiktüten, was auch mehr oder weniger eingehalten wird. Außerdem wurde an unserem Abreisetag, dem ersten Sonntag im Monat, für einige Stunden die Innenstadt für Autos gesperrt. Es konnten lediglich Fußgänger*innen und Radfahrer*innen passieren. An jedem letzten Samstag im Monat gibt es eine Art kollektives Putzen. Die Bürger*innen sind an diesem Tag für einige Stunden angehalten, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und gemeinsam auf der Straße zu fegen, Müll einzusammeln oder andere Arbeiten zu erledigen.
Neben der Sauberkeit, die ich sehr genossen habe, fiel uns auch die Ordnung im Straßenverkehr auf. Die meisten Straßen in Kigali sind asphaltiert und haben Straßenschilder. Es gibt Ampeln und Zebrastreifen, die von Autos und Bodas (oder wie sie in Ruanda genannt werden Motos) beachtet werden (!). Fast unvorstellbar war für uns die erste Motofahrt, als wir plötzlich auf der Straße anhielten, um einen Fußgänger über den Zebrastreifen laufen zu lassen. Selbst die so typischen Bodenwellen sind in Kigali mit kleinen Lichtern markiert, damit man sie bei Dunkelheit nicht übersieht. Auch das Motofahren (also das Fahren mit den typischen Motorradtaxis) fühlte sich in Kigali sicherer an, denn dort darf auf einem Moto nur ein Passagier mitgenommen werden und jeder Motofahrer (ich lasse an dieser Stelle die weibliche Form weg, denn in den 4 Monaten, die ich nun hier bin, habe ich noch nie eine weibliche Boda/Motofahrerin gesehen) hat einen Helm für den Fahrgast dabei.

Eine saubere und asphaltierte Straße in Kigali

Schließlich war es die Fortbewegung in der Stadt, die ich so sehr genossen habe. Denn in fast ganz Kigali gibt es Bürgersteige, sogar auf beiden Seiten und meist noch mit Straßenlaternen versehen. So konnten wir viele Wege zu Fuß zurücklegen, was in Uganda zwar auch möglich ist, allerdings immer das reelle Risiko birgt, von einem anderen Verkehrsteilnehmer angefahren zu werden und einfach nicht angenehm, sondern stressig ist. Zudem gilt Kigali als sicherste Hauptstadt Afrikas und so fühlte es sich auch an. Durch die Bürgersteige und Straßenlaternen fühlte es sich auch bei Dunkelheit und als Muzungu sicher an.
Generell wurde uns in der ganzen Zeit, die wir in Kigali verbrachten, nur zwei oder drei Mal Muzungu zugerufen, was ich wahrscheinlich am meisten genossen habe. Dies ist auf den Dörfern Ruandas sicherlich anders, allerdings war es nach 3 Monaten in Uganda fast unvorstellbar, dass man sich als Weiße in einem “afrikanischen Land“ fortbewegen kann, ohne jede Sekunde die volle Aufmerksamkeit aller Menschen in der Nähe auf sich zu ziehen.
Allgemein lehrte mich dieser Trip sehr viel über mein “Afrikabild“, denn auch wenn ich es nicht wollte, schloss ich doch sehr viel von Uganda auf den ganzen diversen Kontinent Afrika. Dies ist bestimmt immer noch so, aber durch diese Reise nach Ruanda, in das Land, was so nah an meiner Heimatstadt liegt und mir doch soo anders vorkommt, habe ich die Diversität das erste Mal wirklich miterlebt und ein wenig mehr verstanden, worüber ich sehr dankbar bin.

Kigali bei Nacht über den Dächern der Stadt

Das zweite Holiday Program an der IMLS

Wie schon im Dezember, fand auch im Januar wieder ein Ferienprogramm an der Musikschule statt. Fast alle Kinder, die auch im Dezember dabei waren, kamen im Januar wieder und wir durften sogar neue Teilnehmer*innen begrüßen. Auch das Holiday Program im Januar war wieder ein voller Erfolg. Diesmal gab es zwar keine Theaterschüler*innen, mit denen ich vormittags Stimmbildung gemacht habe, dafür habe ich aber die Blockflötenklasse übernommen, was ebenfalls viel Spaß machte. Besonders toll war es, eine eigene Gruppe an Schüler*innen zu haben, die ich Tag für Tag unterrichten durfte. Im Chor habe ich immer gleich ganz viele Kinder auf einmal, was auch seine Vorzüge hat, aber ich habe es diesmal auch sehr genossen, den Vormittag immer mit den selben Kindern zu verbringen.

Meine Blockflöten Schüler*innen

Alle meine Blockflötenschüler*innen sind UVCO Kinder, was bedeutete, dass sie in der letzten Woche des Ferienprogramms nicht an der Musikschule sein konnten. Denn in der letzten Woche eröffnete die neue UVCO Schule, sodass meine Schüler*innen alle dort waren. Leider waren es am Konzerttag dann aber so viele UVCO Kinder, die in die Musikschule gebracht werden wollten, dass viele nicht mitkommen konnten – leider auch meine Blockflöten 😦 Einige Tage später besuchte ich sie aber an ihrer neuen Schule, was auch schön war.

Nach dem Abschlusskonzert in der IMLS erhalten alle Schüler*innen Zertifikate über die erfolgreiche Teilnahme am Holiday Program

In der Zwischenzeit war ich oft in der neuen UVCO Schule. Der ruhige, verlassene aber besinnliche Ort, hat sich mittlerweile in eine belebte, glückliche und ausgeglichene Schule verwandelt. Obwohl vieles dort nicht optimal ist, der Jugenschlafsaal immer noch nicht fertig ist, die Klassenzimmer nicht verputzt sind und einige Klassen sogar noch gar keine Klassenräume haben und natürlich auch sonst alles sehr einfach sind, strahlt dieser Ort dennoch so eine positive Stimmung aus, dass ich jedes Mal aufs Neue fasziniert und berührt davon bin. Ich würde nicht sagen, dass es daran liegt, dass (überspitzt formuliert) die armen schwarzen Kinder aus Afrika so dankbar sind, in die Schule gehen zu dürfen. Denn das stimmt nicht. Die meisten Kinder hier mögen die Schule genauso sehr wie die Kinder in Deutschland, aber manchmal glaub ich, dass sie das Talent haben, aus nicht so viel, viel zu machen und sich nicht so sehr auf das zu fokussieren, was schlecht ist, sondern die guten Dinge zu sehen. Als ich die UVCO Schule das erste Mal betrat oder besser die Baustelle, in die zwei Tage später 300 Kinder einziehen sollten, habe ich die schöne Landschaft gesehen, aber vor allem habe ich die unfertigen Gebäude gesehen, mir die Kinder im Bauschutt vorgestellt und die schlechte Organisation bemängelt. Vielleicht geht es vielen Weißen so und vielleicht sind es deshalb vermehrt die Bilder von Armut, die über diesen Kontinent und dieses Land nach Deutschland getragen werden.

In der neuen UVCO Schule

Eine Woche Kenia

Ende Januar hatte ich eine Woche frei. Diese habe ich genutzt, um mit Katja und meiner neuen Mitfreiwilligen Annika nach Kenia zu reisen.
Zunächst nahmen wir einen Nachtbus von Kampala nach Nairobi. Nach ca. 15 Stunden Fahrt, kamen wir erschöpft, aber auch voller Vorfreude in Nairobi an. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Stadt am Sonntag wie ausgefegt ist. Sonntags haben in Nairobi die meisten Geschäfte zu, was wir aus Uganda nicht kannten. Auch sonst sah man außer Touristen eher wenig Menschen auf den Straßen. Dies war einerseits gut, um die Stadt mehr oder weniger in Ruhe zu erkunden, aber natürlich auch etwas schade, da wir so das richtige ‚Feeling‘ der Stadt, nicht spührten. Denn bereits am nächsten Morgen ging es zum Bahnhof, von wo aus wir Richtung Küste fahren wollten. Allein die Tatsache, dass es in Kenia einen Zug gibt, verwunderte uns und ließ und gleichzeitig natürlich gar keine Wahl, als diesen zu testen. Was uns dann aber erwartete, war anders als alles, was wir erwarteten. Nach ugandischem Vorbild sind wir also so losgefahren, dass wir relativ pünktlich am Bahnhof sein wollten. Aus Kampala Erfahrungen planten wir einen Puffer für Stau ein (den wir auch brauchten), allerdings planten wir keine lange Vorlaufzeit am Bahnhof ein, denn in Uganda zahlt man in den meisten Verkehrsmitteln nicht im Voraus, sondern einfach während der Fahrt. Als dann also 10 Minuten vor Abfahrtszeit am Bahnhof ankamen, waren wir optimistisch mit diesem Morgenzug nach Mombasa an die Küste zu fahren, doch wir irrten uns. Dieser Bahnhof ist kein normaler Bahnhof. Es scheint mehr wie ein Hochsicherheitsgebiet. Es gibt etliche Sicherheitsschecks, die man durchlaufen muss, bevor man in den Zug darf. Die Leute vor Ort sagten uns schon bei Ankunft, dass wir den Zug nun nicht mehr schaffen würden und so war es leider auch. In 10 Minuten die Security Schecks zu durchlaufen ist fast unmöglich und wie wir dann noch erfuhren, hätten wir auch unser Ticket bereits 30 Minuten vor Abfahrtszeit kaufen müssen.
Schlussendlich mussten wir dann also den nächsten Zug nehmen, der nach Mombasa fuhr. So kamen wir anders als geplant erst am Abend in unserer Unterkunft in der Nähe von Mombasa an. Was uns dann aber am nächsten Morgen erwartete war dafür umso schöner.

Der neue Bahnhof von Nairobi

Auch wenn uns dieser Urlaub leider wenig über die kenianische Kultur lehrte, war es landschaftlich atemberaubend. Diesmal war es aber nicht die grüne Natur, die uns faszinierte, sondern das Meer. Die Küste von Kenia gilt als eine der schönsten weltweit. Aufgrund der hohen Kriminalität ist sie als Reiseziel nicht so populär, wie vielleicht Zanzibar, aber landschaftlich gibt es keine großen Unterschiede.
Das Meer erwartete uns in tollen Farben und vor allem der Ausflug zum Schnorcheln am Korallenriff wird mir wohl noch lange in Erinnerung bleiben. Nach drei Tagen an der Küste machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Nairobi, wo wir die Stadt dann etwas belebter vorfanden. Im Grunde ist Nairobi nach meinem Erlebnis der ugandischen Hauptstadt Kampala ähnlich, allerdings kam es mir so vor, als seien dort die Unterschiede zwischen Arm und Reich mich stärker sichtbar. Große Wolkenkratzer und augenscheinlich sehr teure Geschäfte reihten sich aneinander, während noch kurz zu vor Menschen in großen Slums zu sehen waren. Vor allem ein Bild hat sich eingeprägt. Und zwar war es ein neugebauten Hochhaus. Augenscheinlich waren dort hochpreisige Apartments zu verkaufen. Die Balkone einiger dieser Apartments hatten besten Blick über den nebengelegenen Slum.
Am Abend machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Heimat und zwar erneut mit einem Nachtbus von Nairobi nach Kampala. Ca 24 Stunden später kamen wir dann ziemlich erschöpft, aber auch voller neuer Eindrücke und Erlebnisse zu Hause in Masaka an.

Katja, Annika und ich beim Schnorcheln am Korallenriff

Und sonst so?

Wie bereits zu Beginn angedeutet, war der Januar wirklich sehr ereignisreich. Neben einigen kleinen Ausflügen, haben meine Mitfreiwilligen, Freund*innen und ich eine kleine Safari im Lake Mburo gemacht und auch Kampala etwas mehr erkundet.
Die Safari im Lake Mburo war sehr schön und dazu sogar noch relativ günstig. Es ist ein kleiner Nationalpark in der Nähe von Masaka, sodass wir nicht lange fahren mussten. Im Park haben wir u.a. Zebras, Giraffen und Warzenschweine gesehen. Leider war das Wetter schlecht, aber dennoch habe ich den Ausflug sehr genossen.

Zebras im Lake Mburo Nationalpark

Die Kampala Erkundung war ebenfalls sehr positiv, denn ich hatte immer das Bild vom vollen, quaotischen Kampala. Nun habe ich aber gelernt, dass Kampala auch kulturell nicht ganz uninteressant ist. So hatten wir u.a. in der Moschee eine sehr interessante Führung und haben viel über Kampala und seine Geschichte gelernt.

Mit Katja, Jara und Yasmine in der Moschee
Kampala von oben
Einer der typischen Busparks in der Hauptstadt Ugandas

Alles in allem war der Januar ein sehr aufregender Monat und obwohl so viel passiert ist, verging die Zeit mal wieder wie im Flug.
Im Februar geht es wieder mit dem ‚Outreach‘ los und ich freue mich schon, die Kinder in den verschiedenen Schulen wiederzusehen.

Bis zum nächsten Bericht wünsche ich Euch wie immer alles Gute!


Liebe Grüße aus dem sonnigen Uganda,
Eure Julia

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