Über die UVCO – eine Organisation für Straßen- und Waisenkinder in Masaka

Dieser Blogeintrag ist ein Beitrag außer der Reihe, den ich schon lange schreiben wollte, es jetzt aber auch endlich mal mache.
Und zwar geht es diesmal nicht um meine Erlebnisse und Erfahrungen im Januar (der Bericht kommt noch, keine Sorge), sondern um die UVCO (organization for uplift and vulnerable children and orphans in Masaka).
Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eintrag schreiben soll, denn als Freiwillige sehe ich mich nicht in der Rolle, Fundraising zu betreiben. Gleichzeitig sehe ich aber jeden Tag diese unzähligen Kinder, die durch die UVCO in die Schule gehen können, ein zu Hause gefunden haben und schließlich auch bei uns Musik machen dürfen und deshalb will ich Euch gern ein bisschen davon erzählen.

Was ist die UVCO und in welcher Verbindung stehe ich zu ihr?

UVCO steht für uplift and vulnerable children and orphans. Die Organisation, die auf ugandischer Seite von meiner Gastmutter geleitet wird, setzt sich schon seit vielen Jahren für Kinder ein, die keine Eltern mehr haben oder zu Hause misshandelt werden. Außerdem versucht sie, Kinder von der Straße zu holen und Ihnen Zugang zu Bildung zu schaffen. Ursprünglich stammt die Idee zur Organisation vom Vater meiner Gastmutter und mittlerweile ist die Familie mit all ihren Geschwistern fest in den UVCO Strukturen verankert. Da meine Gastfamilie in vielerlei Hinsicht Verbindungen nach Deutschland hat und sogar zwei der zehn Geschwister in Deutschland leben, ist auch die UVCO eine deutsch-ugandische Organisation. Auf ugandischer Seite sind es wie gesagt meine Gastmutter sowie meine Mentorin Norah (ebenfalls eine Schwester), die die Kinder vor Ort betreuen und für die UVCO zuständig sind. In Deutschland setzen sich eine ganze Reihe von Menschen für die UVCO ein, allerdings ist auch dort meine Gastfamilie nicht ganz unbeteiligt. Joseph, ebenfalls Bruder, der mittlerweile in Deutschland lebt und der Gründer der Musikschule ist, ist Gründungsmitglied und betreut mit vielen anderen die UVCO von Deutschland aus.

Es sind aber nicht nur die familiären Beziehungen zur UVCO, die für mich eine Verbindung zu dieser Organisation herstellen, sondern allen voran die Kinder. Denn die meisten Kinder, die z.B. im Holiday Program an der Musikschule unterrichtet werden, sind UVCO Kinder. Ohne die UVCO hätte ich diese Kinder nicht kennengelernt, da sie wahrscheinlich nie Zugang zu Bildung, geschweige denn zu Musikunterricht erhalten hätten. Eigentlich macht es an der Musikschule keinen Unterschied, ob die Kinder von der UVCO sind oder nicht, es sind lediglich die kleinen Dinge, die einem mit der Zeit auffallen. So haben die UVCO Kinder teilweise jeden Tag dasselbe an, da sie oft nur ein T Shirt und eine Hose/Rock besitzen und manchmal kommt man in eine dieser Situationen, die man gern vermieden hätte und in der man wieder verwundert ist, wie erwachsen diese 6, 10 oder 12 jährigen Kinder sind. Einmal wollte eine Mitfreiwillige zum Beispiel die Kontaktdaten der Eltern ihres Schülers haben, um sie in einer bestimmten Sache zu kontaktieren. Sie fragte den Schüler also nach der Telefonnummer seiner Mutter und später auch noch nach der seines Vaters bis der Junge sagte, dass er keine Eltern mehr habe und ihr keine Nummer geben könnte. Auch sonst erfahren wir immer mal wieder von Vergangenheiten der Kinder, die uns sehr bewegen. So wurden z.B. alle Kinder, die bei uns leben (alles UVCO Kinder, die aber unter besonderer Obhut unserer Gastmutter stehen) von ihren Familien (sofern sie welche haben bzw. hatten) misshandelt, geschlagen und so schlimm behandelt, dass die Kinder von zu Hause weggelaufen sind oder nichts mehr gegessen haben. Auch wenn wir manchmal von diesen Geschichten erfahren, sehen wir die Kinder doch überwiegend fröhlich und glücklich. In der Musikschule haben sie Spaß am Musizieren und Singen und spielen mit anderen Kindern im Außenbereich der Musikschule, sodass man zunächst nicht sagen kann, welches der Kinder ein UVCO Kind ist und welches nicht.

Manchmal trommelt Norah alle Kinder der UVCO zusammen und sie machen Videos/Fotos oder schreiben Briefe für ihre Paten in Deutschland. Natürlich wird dadurch den Kindern schon im jungen Alter ein Ungleichgewicht zwischen Deutschland und Uganda gezeigt, das es nicht geben sollte, schon gar nicht in den Köpfen junger Menschen. Denn die Kinder wachsen natürlich damit auf, dass es da irgendwo auf der anderen Erdhalbkugel Menschen gibt, die reich sind und Ihnen jeden Monat Geld schicken, damit sie, die armen Kinder aus Uganda, in die Schule gehen können, was in Deutschland selbstverständlich ist. Andererseits geht es vielen Kindern besser, seitdem sie in der UVCO sind. So ist z.B. ein Mädchen, was bei mir zu Hause wohnt, aufgefallen, weil sie sich in der Schule immer als letzte angestellt hat, kaum gegessen hat und auch sonst extrem still war. Die UVCO bzw. meine Gastmutter und Norah sind dann zu ihr nach Hause gegangen und haben sie in einem kleinen Raum, den sich 5 Menschen sowie Ziegen, Hühner und andere Tiere teilten, gefunden. Ihr Vater war ständig betrunken und kümmerte sich nicht um die Kinder. Seit sie bei uns lebt, geht es ihr deutlich besser.

Auch wenn dieses Missverhältnis in gewisser Weise durch Organisationen aus „reichen Ländern“ verstärkt wird und besonders wir Freiwilligen alles versuchen, um diesen Gedanken ein wenig entgegenzuwirken, glaube ich trotzdem, dass es gut ist, dass es Organisationen wie die UVCO gibt. Durch den engen Kontakt der Kinder zu ihren Paten (Norah steht, sofern gewünscht, mit allen Paten über WhatsApp oder E Mail in Kontakt und schickt Bilder/Videos/Briefe und die Kinder bekommen auch von vielen Paten Briefe/Päckchen oder vereinzelt sogar Besuch vor Ort) wissen sie aber zumindest, dass hinter ihren Geldgebern „ganz normale Menschen“ stehen, die sie unterstützen wollen.

UVCO Kinder in der Kirowooza Schule

Der aktuelle Anlass zu diesem Bericht

Auch wenn ich schon länger mal über die UVCO schreiben wollte, gibt es tatsächlich einen aktuellen Anlass zu diesem Bericht, nämlich den Bau der neuen UVCO Schule.

Irgendwann soll hier mal eine vollständig gebaute Primary und Secondary School stehen und Kinder an einem friedlichen und fröhlichen Ort lernen

Bisher sind die Kinder alle auf die öffentliche Schule in Kirowooza gegangen, dem Dorf, in dem die Kinder und auch meine Gastfamilie und ich leben. Diese Schule ist allerdings einerseits zu klein für die über 400 UVCO Kinder und vor allem entsprechen die Zustände und die Behandlung der Kinder in der Schule nicht den Vorstellungen der UVCO. Leider ist es in Uganda immer noch alltäglich, dass in den meisten Schulen die Schüler*innen geschlagen werden und so auch in der Kirowooza Schule. In der neuen UVCO Schule soll dies nicht der Fall sein. Es wurde ausdrücklich nur Lehrer*innen und Betreuer*innen eingestellt, die nicht schlagen und dieses Prinzip nicht unterstützen. Außerdem ist die Schule auf einem wunderschönen ruhigen und grünen Platz gelegen, auf dem die Kinder viel Spaß zum Spielen und Entspannen haben, denn in Uganda ist es üblich, dass die Kinder nicht nur in der Schule lernen, sondern auch im Internat schlafen und leben. Zusätzlich gibt es viel Platz für Felder, denn Feldarbeit und Landwirtschaft soll an der Schule gelehrt werden, damit sich die Kinder, falls sie irgendwann keinen Job finden, selbst versorgen können.

Am vergangenen Sonntag waren wir Freiwilligen zu Besuch auf der Baustelle. Ich sage Baustelle, da es dieser mehr gleicht als einem Ort, der in 2 Tagen später von Schüler*innen bezogen werden sollte. Es sind bisher 4 von 6 Klassenräumen fertig gestellt, allerdings weder verputzt noch stehen schon Bänke und Tische in den Zimmern. Außerdem ist das Gebäude, was später mal eine Küche sein soll fertig gebaut, aber es fehlen noch Fenster und ebenfalls die Innenausstattung und auch im Mädchenschlafgebäude fehlen Fenster, Betten und Toiletten. Für den Jungs Dormitory fehlt momentan das Geld, weshalb die Jugen vorerst in der eigentlichen Küche übernachten werden, die nach draußen ausgelagert wird. In der Trockenzeit ist dies ggf. noch möglich, wenn in wenigen Monaten aber die Regenzeit wieder beginnt, ist auch das schwierig. Zudem ist momentan die Vision, neben der Primary School, die heute bezogen wurde, noch eine Secondary School zu eröffnen, die die Schüler*innen bei entsprechendem Interesse und Begabung zu einem Schulabschluss verhelfen soll, der sie zum Studieren berechtigt.

Ein Klassenzimmer, in dem in einer Woche der Unterricht starten soll
Die provisorische Küche

Nicht nur der Bau von Gebäuden kostet Geld, sondern auch die Gehälter der Lehrer*innen müssen bezahlt werden, es muss Bettwäsche und Schulkleidung für vorerst ca. 300 Kinder gekauft werden und vieles mehr. Momentan konnte pro Schüler*in je ein Oberteil und eine Hose/Rock als Schuluniform gekauft werden. Eigentlich sollte es aber auch noch eine Uniform für den Sportunterricht bereitgestellt werden, für die ebenfalls kein Geld übrig ist und zudem wäre natürlich mehr als ein Set Schuluniform pro Schüler*in durchaus sinnvoll.

Dennoch freuen wir, insbesondere die Kinder, uns sehr auf die neue Schule, auch wenn ich ein wenig traurig bin dass wir die Kinder von nun an nicht mehr so einfach besuchen können. Da wir ca 3 Gehminuten von der alten Schule entfernt wohnten, konnten wir problemlos nach der Arbeit kurz Hallo sagen – das wird jetzt eher schwierig, da die neue Schule nicht mehr gut zu Fuß erreichbar ist. Dennoch freue ich mich, dass die Kinder an so einem schönen Ort leben dürfen (bei jeder Besichtigung der Schulbaustelle war ich wieder von der Natur und der Ruhe fasziniert), keine Angst vor Schlägen haben müssen und sich hoffentlich frei und fröhlich entwickeln können.

Die zukünftige Küche mit Norah auf dem Weg zu den Klassenzimmern

Und warum schreibe ich jetzt diesen Blogeintrag?

Ich möchte Euch auf diesem Blog ja einen Einblick in mein Leben vor Ort geben und wie Ihr lesen konntet, ist die UVCO sicherlich ein großer Teil meines Lebens hier, auch wenn ich sie bisher eher flüchtig erwähnt habe.

Gleichzeitig, und das habt Ihr sicherlich auch schon gemerkt, wollte ich Euch auch von der UVCO erzählen, weil ich sie für eine sehr wichtige und unterstützenswerte Organisation halte. Falls also jemand von Euch Interesse hat, die UVCO zu unterstützen, kann er oder sie gern mal die Internetseite der Organisation besuchen: https://uvco.de/

Das Spendenkonto der UVCO lautet wie folgt:

Raiffeisenbank Hemau-Kallmünz eg

BIC: GENODEF 1 HEM

IBAN: DE32 7506 9061 0000 7553 70

Kontoinhaber: U.V.C.O. Uganda e.V.

Verwendungszweck: z.B. “Schulbau U.V.C.O.” oder “Spende U.V.C.O. –Name eines Kindes-”

Natürlich sind auch Sachspenden sehr willkommen. So gibt es vor allem einen großen Bedarf an Kinderkleidung (gern auch gut erhaltene Second-Hand Sachen) oder auch (Draußen-)Spielzeug, allerdings ist hier die Beförderung nach Uganda immer ein kleines Problem.

Falls Ihr Fragen zur UVCO habt, könnt Ihr gern die Organisation selbst kontaktieren oder natürlich mich. Ich weiß zwar nicht alles, aber kann vieles in Erfahrung bringen J

Hoffentlich ganz bald wird ein neuer Blogeintrag über eine Reise nach Ruanda auf diesem Blog online kommen und natürlich auch der Monatsbericht über den Januar 2020 in Uganda. Ende dieser Woche haben wir an der Musikschule unser Abschlusskonzert des zweiten Holiday Programs, auf das ich mich schon freue. Danach geht es für meine Freundin Katja, meine neue Mitfreiwillige Annika und mich für eine Woche nach Kenia.

Ihr könnt also gespannt sein und bis (hoffentlich) ganz bald,

Eure Julia

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