Eine musikalische Weihnachtszeit im sommerlichen Uganda

Wieder neigt sich ein nächster Monat dem Ende zu und wie man das aus Deutschland kennt, war auch meine Adventszeit voll von Terminen, Konzerten und Arbeit. Neben den allgemeinen Weihnachtsvorbereitungen, galt es mehrere Konzerte in der Musikschule vorzubereiten, Weihnachtsgeschenke für Freunde, Bekannte und Familie zu besorgen und vieles mehr. Daher möchte ich Euch in diesem Blogeintrag von all meinen Erlebnissen aus der Advents- und Weihnachtszeit berichten.

Meine Schülerin Lucia und ich nach unserem Weihnachtskonzert

Das Holiday Program in der IMLS

In Uganda endet das Schuljahr für alle Schüler*innen Ende November und dann beginnen die großen Ferien, die bis Ende Januar andauern. Da wir in dieser Zeit also nicht in unseren Outreachschulen unterrichten können, bietet die International School of Music, Languages and Studio Production ein Ferienprogramm für Kinder im Alter von vier bis 16 Jahren an. Es dürfen zwar auch Erwachsene teilnehmen, allerdings ist das Ferienprogramm eher für Kinder ausgerichtet und es waren dann schlussendlich auch nur zwei erwachsene Schüler*innen angemeldet.

Das erste Holiday Program im Dezember ging drei Wochen lang mit einem Abschlusskonzert am letzten Programmtag, was natürlich unter weihnachtlichem Motto stand. Um am dreiwöchigen Holiday Program teilzunehmen, mussten die Teilnehmer*innen je 50.000 UGX, sprich 12,50 € bezahlen. Allerdings sind viele Kinder, die in der Musikschule sowie an den Outreachschulen unterrichtet werden, Waisenkinder oder Kinder aus sehr armen Familien, die die Gebühr nicht aufbringen können und daher kostenlos am Programm teilnehmen dürfen. Generell läuft hier in Uganda (oder besser gesagt in dem Uganda, wie ich es bisher kennengelernt habe) viel über Beziehungen und Verwandtschaft. Sei es die Visumsverlängerung, eine Polizeikontrolle oder eine benötigte Schlafmöglichkeit in einer anderen Stadt, unsere Gastfamilie hat immer einen Verwandten oder Bekannten, der/die aushelfen kann. Auch in der Musikschule merkt man die Beziehungen, denn die meisten Kinder, die an den Programmen teilnehmen, sind Kinder, die durch die Organisation „UVCO Uganda e.V.“ (uplift and vulnerable children and orphans) unterstützt werden, dessen „Chefin“ auf ugandischer Seite unsere Gastmutter ist. Unsere Gastmutter ist wiederum die Schwester der stellvertretenden Schulleiterin der Musikschule und die Schwester des Gründers der Musikschule, der gemeinsam mit seiner deutschen Frau den Förderverein der Musikschule (Förderverein für Musik und Kultur Uganda e.V.) leitet. Durch diese Verbindung sind also viele Kinder, die in der Musikschule unterrichtet werden, von der UVCO und leben daher auch in dem Dorf, in dem auch ich gemeinsam mit meiner Gastfamilie und meinen Mitfreiwilligen Elena und Yasmine lebe.

Im Holiday Programm begann unser Tag daher damit, mit dem Musikschulauto nicht nur uns von Kirowooza (unserem Dorf) zur IMLS zu befördern, sondern noch viele weitere Kinder. Wie schon im October Program (siehe Blogeintrag „Musiklehrer*innen der Sing- und Musikschule Regensburg zu Besuch an der IMLS“), fuhren jeden Tag deutlich mehr Kinder mit uns im Auto als dieses Sitzplätze hat, aber daran haben wir uns mittlerweile schon ganz gut gewöhnt.

Wenn wir dann in der Musikschule ankamen und der große Raum, aus dem die Musikschule ja momentan nur besteht, gesäubert und hergerichtet war, begann um 9 Uhr der Instrumental-/Gesangsunterricht. Da die Teilnehmer*innen auch in Musiktheorie unterrichtet werden, gab es zwei Gruppen. Gruppe A begann mit Instrumentalunterricht und wechselte dann nach zwei Stunden zur Theorie. Gruppe B begann mit der Theorie und wechselt dann zum Instrumentalunterricht. Nach der Lunchpause fand zwischen 14 und 16 Uhr Chor und Theater statt. Nachmittags habe ich also zusammen mit einem ugandischen Lehrer den Chor geleitet, was mir großen Spaß bereitet hat. Vormittags habe ich mit jenen Theaterdarsteller*innen, die in dem Stück singende Rollen hatten, die Gesangsstücke einstudiert und ein bisschen Stimmbildung gemacht.

Theaterprobe mit meinen Gesangsschüler*innen

Wenn dann gegen 16.30 Uhr die Kinder nach Hause gingen, war der Tag für meine Kolleg*innen und mich noch nicht fertig, denn unsere Privatschüler*innen wollen natürlich auch während der Ferien unterrichtet werden. Je nach Wochentag haben wir dann also noch bis teilweise 19 Uhr gearbeitet und kamen dann müde und erschöpft am frühen Abend nach Hause. Manchmal hat man am Vormittag ein wenig Zeit gefunden, um die Stunden für den nächsten Tag vorzubereiten, ansonsten wartete diese Aufgabe dann am Abend auf einen.

Auch wenn das Holiday Program sicherlich anstrengend war,  war es auch total schön und spannend. Es war toll, jeden Tag mit denselben Kindern zu arbeiten und ihre Fortschritte beobachten zu können und schlussendlich haben wir unsere Schüler*innen über die Zeit auch echt lieb gewonnen und freuen uns schon, sie im Januar wiederzusehen.

Im Holiday Program habe ich mal wieder gemerkt, wie viel Spaß es macht, mit Kindern und Jugendlichen zu singen und Musik zu machen. Gleichzeitig stellten mich die vergangenen Wochen aber auch vor Herausforderungen. Einerseits war es natürlich eine Herausforderung, einen Chor so gut wie allein zu leiten, Stücke auszusuchen und ein Konzert vorzubereiten. Insbesondere bei der Chorleitung habe ich aber auch gemerkt, wie viel ich hier schon gelernt habe. In vielen Situationen wusste ich z.B. besser, wie ich auf die Kinder eingehen kann oder wie ich sie motivieren kann. Vor allem, wenn Übungen, die ich mir im stillen Kämmerlein überlegt habe, in der Praxis funktioniert haben und die Kinder mit breitem Grinsen vor mir standen, war das ein wirklich schönes Gefühl. Auch der Einzelunterricht am Vormittag hat viel Spaß gemacht und es war ein tolles Gefühl, die Schüler*innen bei der Aufführung singen zu hören.

Vor allem bei der Organisation und der Zusammenarbeit im IMLS Team gab es allerdings einige Schwierigkeiten. So habe ich in diesem Holiday Program das erste Mal die spontane und unorganisierte ugandische Art auch in der Musikschule erlebt. Ist doch sonst alles ziemlich organisiert in der IMLS, war es diesmal teilweise anders. Insbesondere am Tag des Abschlusskonzertes war ich deutlich genervt vom ugandischen Zeitgefühl. Das Konzert am Freitag sollte gegen 14.30 Uhr beginnen und die eigentlich für Donnerstag angesetzte Generalprobe wurde auf Freitagvormittag verlegt. Wir Freiwilligen waren also pünktlich um 9 Uhr in der Musikschule und wollten den geplanten Gesamtdurchlauf starten, allerdings fehlte noch eine ganze Reihe an Kolleg*innen. Als dann um 11 endlich alle da waren, starteten wir mit dem ersten Programmpunkt, einem Stück der Brassband. Statt nach diesem Stück den Durchlauf fortzusetzen, probte aber die Brassband erst alle Stücke und ließ sich auch nicht davon abhalten, eine „richtige“ Probe durchzuführen. Schlussendlich mussten wir den Durchlauf dann aus Zeitgründen abbrechen und das Konzert startete ohne richtige Generalprobe. Dennoch war das Konzert schlussendlich sehr schön und wir waren stolz auf unsere Schüler*innen.

Weihnachtskonzert in der IMLS

Nach diesen schönen und auch anstrengenden Wochen, wurde das gesamte IMLS Team mit einer Christmas Party am Lake Nabugabu am folgenden Tag belohnt. Es war ein schöner Tag mit allen Kolleg*innen am See und das Wichteln, was wir gemeinsam veranstaltet haben, brachte mich zumindest ein wenig in Weihnachtsstimmung.

Meine Lieblingspalme am Lake Nabugabu

Weihnachten in Uganda

Generell war die Adventszeit in Uganda wenig weihnachtlich. Es gibt hier weder Bräuche, wie den Adventskalender oder den Adventskranz, noch sind die Straßen weihnachtlich geschmückt und vor allem ist es hier natürlich sommerlich warm. So ist es hier auch eine Tradition am zweiten Weihnachtsfeiertag an den schon mehrfach erwähnten See zu fahren und gemeinsam mit halb Uganda (oder noch mehr) zu feiern – aber dazu später mehr.

Zunächst kam ich hier also wenig in Weihnachtsstimmung, was aber auch nicht schlimm war, da ich gleichzeitig auch gar nicht realisieren konnte, dass es wirklich schon Dezember ist. Die Zeit sonst im Dezember war schön, allerdings auch relativ stressig, da wir auf der Arbeit gleich zwei Mal Besuch aus Deutschland bekamen, was immer mit einem kleinen Konzert und Proben einhergeht, Weihnachtsgeschenke besorgt werden mussten und parallel das Konzert am Ende des Holiday Programs vorbereitet werden musste.

Hinzu kam, dass Amra, Elena, Yasmine und ich an Weihnachten in der Messe spielen sollten und auch diese Stücke üben mussten. Plötzlich rückte Weihnachten aber immer näher und schließlich ergab es sich so, dass wir ca. 1,5 Stunden vor der Messe zusammen in unserem Wohnzimmer saßen und die Stücke das erste Mal durchgespielt haben. Vor allem ein Stück aus dem Weihnachtsoratorium, was wir mit Geige, Klarinette, Gesang und Cello spielten, machte uns zwar Spaß, kam in der Kirche allerdings nicht so gut an – aber eins nach dem anderen.

Am 24.12 passiert hier in Uganda relativ wenig, da Weihnachten hier erst am 25.12 beginnt. Vormittags haben wir also aufgeräumt und unser Zimmer geschmückt, denn hier glaubt man, dass Jesus in der Nacht vom 24. auf den 25. in jedem Zimmer vorbeischaut.

Am Abend sind wir dann mit unserer Gastfamilie in die Messe gegangen und haben dort musiziert. Da die Messe von ca. 20 bis 23.30 Uhr ging, haben wir die Messe am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages (diese beginnt um 7.30 Uhr) ausfallen lassen. Am 25.12 kommt dann meist die ganze Familie zusammen und man isst und spielt zusammen, unterhält sich und verbringt einen schönen Tag zusammen. An diesem Tag werden ggf. auch Geschenke verteilt, allerdings schenken sich hier viele Menschen nichts zu Weihnachten und den deutschen Brauch der Bescherung am Heiligen Abend gibt es nicht.

Wir Freiwilligen zusammen mit den Jungs und Mädels, die bei uns wohnen und arbeiten

Am zweiten Weihnachtstag sind wir dann zusammen mit allen Mädels und Jungs, die bei uns leben und der Familie, zu Lake Nabugabu gefahren. Man sagt, dass ganz Masaka und halb Kampala an diesem Tag zu dem See fahren und so fühlte es sich auch an. Zunächst war das Wetter sehr schlecht und auch sonst fand ich den Tag nicht besonders ansprechend. Es waren sehr sehr viele Menschen an dem See, alles war matschig und auf dem Rückweg sahen wir sehr viele Autos, die im Matsch steckengeblieben sind, Bodas, die auf dem Boden lagen und so viele Menschen, dass man Angst hatte, jemanden anzufahren.

Und schupps schon war Weihnachten in Uganda vorüber und für mich ein wenig Zeit, meine Weihnachtsferien zu genießen, bevor es ab der zweiten Januarwoche wieder mit der Arbeit losgeht.

Weihnachtsessen nach ugandischer Art (abgesehen vom Kartoffelsalat, den wir Freiwilligen zubereitet haben)

Was sonst noch im Dezember passierte…

Es würde zu lange dauern, um alles zu beschreiben, aber vielleicht erzählenswert ist ein spontaner Ausflug von Elena und mir nach Kampala (die Hauptstadt Ugandas). Elena musste dringend ein Langzeit EKG machen, was man nur in Kampala machen kann und so ergab es sich, dass wir für zwei Tage in die Hauptstadt fuhren. Es war unsere erste Reise in die Hauptstadt und wir fuhren auch das erste Mal im Matatu, ein öffentlicher Langstreckenbus, der in seiner Größe einem VW Bus ähnelt. Das war zwar ziemlich eng und unbequem, aber man kommt günstig und schnell von A nach B. Auch wenn wir die meiste Zeit im Krankenhaus verbrachten, war es trotzdem eine spannende Reise. Zunächst ist Kampala viel größer und das Bodafahren im Autostau bzw. durch die Autos hindurch weitaus angsteinflößender als bei uns im vergleichsweise ruhigen Masaka. Außerdem gibt es in Kampala viel mehr Bazungu (Weiße) und Orte, die aussehen, wie bei uns in Deutschland. So waren wir z.B. in einer Mall, in der es Mülleimer, Aufzüge und Rolltreppen gibt sowie einen Supermarkt mit u.a. Käse und Brot 🙂 Auch wenn Kampala schön war und wir uns vor allem in unserer Unterkunft sehr wohl fühlten, war es auch gutes Gefühl, wieder „zu Hause“ in Masaka zu sein.

Was in der nächsten Zeit so passiert…

Über Silvester werden wir nach Entebbe fahren, da Elena am 01.01 zurück nach Deutschland fliegen muss, aber darüber dann mehr beim nächsten Mal.

Im Anschluss werden Katja und ich für ein paar Tage nach Ruanda fahren und dann steht schon das nächste Holiday Program an. In diesem wird Katja zu Besuch in Masaka sein, worüber ich mich schon freue und Ende Januar geht es für uns beide dann in den Urlaub nach Kenia.

Wie dies alles so wird, werde ich Euch dann im nächsten Blogeintrag berichten.

Bis dahin alles Gute und viele Grüße ins kalte Deutschland oder von wo auch immer Ihr gerade seid!

Eure Julia

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